Eigentlich ein ziemlich banaler Vorgang. Programme deinstallieren, Verzeichnisse löschen, ein paar Gigabyte Speicherplatz zurückgewinnen. Fertig.
Dachte ich zumindest. Denn während ich mich Stück für Stück durch meine Prepar3D-Installation gearbeitet habe, merkte ich plötzlich, dass da doch etwas mehr verschwindet als nur ein Flugsimulator.
Von Prepar3D v2 bis v5
Meine persönliche Prepar3D-Reise begann mit Version 2, die Lockheed Martin Ende 2013 veröffentlichte. Danach habe ich praktisch jede große Generation mitgemacht: v3 ab 2015, v4 ab 2017 und schließlich v5 ab 2020. Gerade v4 war mit dem Wechsel auf eine 64-Bit-Architektur ein großer Schritt, während v5 mit DirectX 12 noch einmal technisch deutlich modernisiert wurde.
Damit lagen einige Jahre Prepar3D und mehrere große Versionswechsel hinter mir. Bei v5 war für mich dann Schluss. Prepar3D v6 erschien im Juli 2023 und brachte unter anderem eine weiterentwickelte Grafik- und Atmosphären-Engine, aber diese Version hat es bei mir nie mehr auf die Festplatte geschafft.
Eigentlich war das im Nachhinein schon ein Zeichen dafür, dass der Abschied längst begonnen hatte. Nur die alte v5-Installation war noch da, bis zu diesem Wochenende.
Da hängen Erinnerungen dran
Prepar3D hat mich über viele Jahre begleitet. Und vor allem gab es eine Zeit, in der jedes neue Add-on, jede neue Szenerie und jede grafische Verbesserung einen enormen Unterschied gemacht hat.
Ich weiß noch, wie begeistert ich damals beispielsweise EDDK von Jo Erlend Sund war. Eine detaillierte Flughafenszenerie war eben nicht einfach nur ein weiterer Airport auf der Festplatte. Man installierte sie, startete den Simulator und schaute sich erst einmal alles an.
Beim Aufräumen begegneten mir unter anderem noch viele tolle Airports, Verbesserungen und Tools. Und bei fast jedem dieser Namen hatte ich sofort wieder eine Erinnerung im Kopf.
SODE beispielsweise war irgendwann aus einer guten Szenerie kaum noch wegzudenken. Bewegliche Jetways und andere dynamische Elemente wirkten damals wie ein riesiger Fortschritt.
AI Lights Reborn gehörte zu diesen typischen kleinen Erweiterungen, die auf dem Papier unspektakulär klangen, bis man sie einmal installiert hatte.
Active Sky war für mich über lange Zeit praktisch gleichbedeutend mit Wetter im Flugsimulator. Wolken, Wind, Turbulenzen und Wetterübergänge: Was heute teilweise selbstverständlich wirkt, erforderte damals eine ganze eigene Softwarewelt rund um den eigentlichen Simulator. Die Basis für meinen Icing-Indicator im Cockpit…
Und dann waren da noch ENVSHADE und ENVTEX. Stunden konnte man damit verbringen, Farben, Himmel, Beleuchtung und Atmosphäre zu optimieren. Immer mit der Hoffnung, Prepar3D noch ein kleines Stück realistischer aussehen zu lassen.
Und trotzdem ist die Zeit weitergegangen
Mit dem Microsoft Flight Simulator hat sich für mich vieles verändert.
Wenn ich heute auf meine alte Installation schaue, sehe ich eine Plattform, mit der ich unglaublich viele gute Stunden verbracht habe und die über lange Zeit genau das ermöglicht hat, was ich von einem Flugsimulator erwartet habe.
Aber gleichzeitig merke ich auch, wie sehr sich die Simulation weiterentwickelt hat.
Viele Dinge, für die früher zusätzliche Programme, Texturpakete, Shader-Modifikationen oder Wettertools notwendig waren, gehören heute viel selbstverständlicher zum Gesamterlebnis.
Je mehr MSFS und ich Freunde geworden sind, war klar, dass Prepar3D kaum noch zum Einsatz kommen würde.
Nur deinstalliert hatte ich ihn trotzdem nie.
Der Moment mit dem „Deinstallieren“-Button
Und genau deshalb fühlte sich das Löschen am Wochenende merkwürdig an. Da verschwanden Programme, die ich irgendwann einmal mit großer Begeisterung installiert hatte. Software, über deren Releases ich mich gefreut hatte.
Mit jedem Klick auf „Deinstallieren“ verschwand damit ein kleines Stück meiner eigenen Flugsimulator-Geschichte.
Flugsimulation besteht eben nicht nur aus Software. Sie besteht aus „what’s next“, Stunden des Ausprobierens, aus Nachtflügen, aus neuen Flugzeugen, Szenerien und Tools und aus dieser immer wiederkehrenden Begeisterung, wenn etwas plötzlich noch ein bisschen realistischer aussieht oder funktioniert als vorher.
Danke, Prepar3D
Deshalb war die Deinstallation für mich auch kein „Endlich weg damit“, sondern eher ein:
Danke. Das war eine verdammt gute Zeit.
Ja, und auf die Partition kommt der MSFS 2024…